Patienteninformationen

Es reicht – es ist Viertel nach Zwölf im Gesundheitswesen – und niemand merkt oder tut etwas!

MEDI BBLiebe Patienten,

durch die Kampagnen von Politikern, Krankenkassen, aber auch durch unsere sogenannte eigene Interessenvertretung die  kassenärztliche Vereinigung ist die Möglichkeit, unseren Beruf als Ärzte zum Wohl unserer Patienten auszuüben, zunehmend beeinträchtigt , für einige Kollegen schon nicht mehr möglich . Unsinnige Gesetze und Programme, überbordende Verwaltung und Kontrolle, immer neue Angriffe auf unser Sozialprestige, Verleumdungen, Fehlinformation, mangelnde Information und Unverständnis bei Reportern und Medien haben dafür gesorgt, dass

  • massive Geldabflüsse aus dem kurativen (heilenden) Bereich in unproduktive, kontrollierende Tätigkeiten stattfinden.
  • unmenschliche Organisationsformen gefördert werden (Großpolikliniken, medizinische Versorgungszentren mit angestellten und uninteressierten Ärzten).
  • weitere Gelder durch unsinnige Krankenkassenangebote aus Ihren Mitgliedsbeiträgen abgezogen werden.
  • die Kapitaldecke unserer Praxen trotz ständig stärkerer Arbeitsbelastung immer dünner wird und
  • wir Ärzte uns permanenten Beschuldigungen ausgesetzt sehen.

Die Folge ist, dass der Arztberuf in Deutschland flächendeckend für unseren Nachwuchs unattraktiv geworden ist, insbesondere in den wirtschaftsschwachen Regionen , wie hier im Land Brandenburg .  Alleine im letzten Jahr sollen 12.500 Arztkollegen Deutschland verlassen haben.

Beispiele aus dem Land Brandenburg:

  • Eine hausärztliche Praxis in der Uckermarck (Tantow) wird zum 24.11.2007 endgültig schließen. Versorgung von ca. 8000 Patienten, kein Hausarzt mehr da. Nächste ärztliche Behandlungsmöglichkeit ca. 30 km entfernt (Schwedt/Oder). Trotz Arbeit bis zum Umfallen mehr als 12 Stunden pro Tag betrug das kassenärztliche Honorar nicht soviel, dass die Kollegin manchmal nicht mal das Benzin für die notwendigen Hausbesuche bezahlen konnte. Nur immer höhere private Verschuldung ermöglichte es ihr  weiter zu arbeiten ,damit die Patienten versorgt werden. Nun ist Schluss. Sie verläßt mit ihrer Familie die Region und gibt ihre Kassenzulassung zurück. Die KV Brandenburg sah sich nicht in der Lage trotz aller Versprechungen vor 2 Jahren, die Kollegin dahingehend zu unterstützen, dass sie die Landarztpraxis weiter führen kann. Das ist ein Skandal und nur die Spitze des Eisberges.
  • Ein  niedergelassener Gynäkologe aus Eberswalde arbeitet die Woche über in seiner Praxis und absolviert  am Wochenende Nachtschichten in der Klinik um zu überleben . Wie lange will er das durchhalten ?
  • ca. 80 weitere Praxen stehen vor der Insolvenz oder sind es schon.

Dass das für Sie als Patient zwangsläufig Folgen hat, muss bei den vorliegenden Fakten jedem klar sein – sogar Politikern und Kassenfunktionären. Wer soll Sie denn gesund machen, wenn nicht wir Ärzte? Etwa die Politiker oder die Gesundheitskasse?

MEDI BBZur Information

  • In dieser Praxis wird mit jedem abgerechneten und von der KV anerkannten Patienten pro Quartal ein Honorar von ungefähr40-42 Euro erzielt (inklusive aller Praxisbesuche und Hausbesuche). Eine Klage beim Sozialgericht gegen die KV wegen höherer Bezahlung  aufgrund einer Vielzahl von chronisch Kranken und multimorbiden Patienten wurde abgewiesen. Ca. 35-40 % meiner erbrachten Leistungen werden nicht bezahlt. Der kalkulatorische Arztstundenlohn liegt bei dem einer Reinigungskraft von ca. 8 Euro!!!
  • Jeder Patient kann in einem Quartal beliebig oft zur Untersuchung kommen, ohne dass sich am Honorar etwas ändert.
  • Ich hafte außerdem für eine Budgetüberschreitung bei den Medikamenten mit meinem Vermögen, obwohl ich für die Preisgestaltung nichts kann und die Krankheiten der Patienten, die die Medikamente dringend benötigen.
  • im Jahr 2009 wird – mit Ihren GKV-Mitgliedsbeiträgen finanziert – eine neue Behörde mit ca. 30.000 neu eingestellten Mitarbeitern gegründet! Diese soll den Beitragseinzug der GKV-Mitgliedsbeiträge von den Krankenkassen übernehmen und die Gelder an die Krankenkassen verteilen, ohne dass im Gegenzug Krankenkassenmitarbeiter in ähnlich hoher Zahl freigesetzt werden.
  • Wissen Sie, wie viel 30.000 Angestellte im Jahr kosten???
  • Wissen Sie, dass die Kosten der projektierten eCard auf mittlerweile 3-4 Mrd. Euro geschätzt werden, ohne dass ein entsprechender Nutzen zu erkennen ist – ohne dass Ihre Daten ausreichend geschützt sind – ohne dass klar ist, wer unsere dadurch entstehenden Kosten trägt?
  • Was soll diese Schikane von Praxisgebühr, außer Ihnen und uns Ärger zu bereiten und unsere Praxen Raubüberfällen auszusetzen?

Es wäre alles ganz einfach

Sie sind krank – ich versuche, Sie gesund zu machen – die Kasse bezahlt.

MEDI BBAlso

Ich behandle Sie – Sie erhalten von mir am Ende eine Rechnung per Knopfdruck – Sie prüfen die Rechnung mit mir – Sie genehmigen die Rechnung – ich faxe diese an eine Zentralkrankenkasse, die lediglich dazu da ist, Geld einzusammeln und Geld auszubezahlen.

Wenn Sie nun z.B. 10 % des Rechnungsbetrages selbst bezahlen müssten, würden Sie die Rechnung sicher gewissenhaft im eigenen Interesse prüfen – eine kontrollierende Instanz könnte vollkommen entfallen. Damit würde die KV, der gesamte Krankenkassenapparat und der gesamte unnötige, kontrollierende und sich selbst verwaltende Bürokratenapparat des Gesundheitswesens einfach wegfallen.

Was glauben Sie, wieviel Zeit wir wieder für Sie hätten (befreit vom Bürokratismus!)?

Was glauben Sie, wie gering Ihre Gesundheitskosten wären?

Was glauben Sie, mit wieviel Engagement sich unser gut ausgebildeter Nachwuchs in Deutschland niederlassen würde?

  • Gehen Sie als Wähler zu unseren politischen Mandatsträgern, die für die Gesundheitsreformgesetze gestimmt haben und machen Sie ihnen klar, dass diese persönlich – und zwar jeder für sich alleine – verantwortlich sind für das auf unser Gesundheitswesen zukommende Desaster.
  • Machen Sie Ihnen klar, dass unser Gesundheitswesen, das als das Beste der Welt bewertet wird, bald nicht mehr existieren wird.
  • Machen Sie ihnen klar, dass genug Finanzreserven im System sind, die leicht mit etwas gesundem Menschenverstand durch Abbau (!!!) unnötiger Strukturen ohne jeden Effizienzverlust freigesetzt werden könnten.
  • Machen Sie ihnen klar, dass es in Polen und Russland nicht genug Ärzte gibt, die unsere Arbeit als Billiglohnarbeiter übernehmen könnten.
  • Machen Sie ihnen klar, dass deutsche Ärzte optimal ausgebildete Fachleute sind, die Ihnen das geben können und bisher gegeben haben, was Sie zum gesund Werden brauchen.
  • Machen wir ihnen klar, dass Ärzte keine Leibeigene sind, dass wir ein Selbstwertgefühl haben, dass wir bald nichts mehr zu verlieren haben in dem kommenden System und dass auch wir Konsequenzen ziehen müssen – ob wir wollen oder nicht.

Alles, was Ihnen und uns wichtig ist, droht verloren zu gehen – Zuwendung, Vertrauen, Verlässlichkeit, wohnortnahe Versorgung, Verständnis, Menschlichkeit und Zeit für einander.

Wenn Sie jetzt nicht wach werden und handeln, ist es zu spät. Jede Praxis, die schließt, wird kaum jemals wieder zu beleben sein!

Helfen Sie sich und uns, reden Sie mit Ihren Freunden, mit Politikern und Journalisten – wehren Sie sich!

Patienteninfo zum Systemausstieg

Liebe Patientinnen, liebe Patienten,

der Presse und den Medien der letzten Wochen und Tage haben Sie sicherlich entnommen, dass in unserem Gesundheitswesen etwas nicht stimmt. Unsere bayrischen Kollegen haben zum Ausstieg aus diesem Unrechtssystem aufgerufen. Die Kollegen in Baden-Württemberg werden folgen. Dieser Schritt richtet sich nicht gegen Ihre weitere Versorgung, im Gegenteil, gerade weil wir Sie individuell auf hohem Niveau versorgen wollen, fordern wir die Regierung und die Krankenkassen auf, sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst zu werden und dafür zu sorgen, dass Ihnen Ihre wohnortnahe ärztliche Versorgung  erhalten bleibt, besonders in einem Flächenland wie Brandenburg.

Unter den Rahmenbedingungen, welche die Sozialpolitiker uns bieten, wollen die jungen Kollegen nicht mehr arbeiten. Der Nachwuchs bleibt aus.

Geht es nach der Politik, werden unsere Hausarztpraxen durch Call-Center, Case-Manager und Medizinische Versorgungszentren von Kapitalgesellschaften ersetzt. Es sind Ihre Versichertenbeiträge ,die in die Taschen von Aktionären fließen. Wurden Sie gefragt, ob Sie das wollen?

Die Regierung hat es bisher unterlassen, Sie die Bürger über diesen Umbau unseres Gesundheitssystems zu informieren.

Ihre Hausärzte kämpfen gegen diese Amerikanisierung unseres solidarischen Gesundheitssystems.

Fragen Sie Ihre Abgeordneten, was sie dazu zu sagen haben.

Im Falle des Ausstieges hier im Land Brandenburg zur Richtigstellung vieler bereits von Krankenkassen und Sozialpolitikern verbreiteter Falschmeldungen:

Sie können jederzeit Ihren Hausarzt im Krankheitsfall aufsuchen, wie bisher. Trotz Zulassungsrückgabe versorgen wir selbverständlich

unsere Patienten. Die Praxen bleiben geöffnet wie bisher.

Sie erhalten von Ihrem Hausarzt auch nach dem Ausstieg aus diesem System keine Rechnung. Die Rechnungsstellung geht an die Kranken-

kasse.

Liebe Patientinnen und Patienten!

MEDI BBDeutschland ist die einzige Industrienation, in der durch das Sachleistungssystem die ungebremste Inanspruchnahme medizinischer Leistungen provoziert wird, in der Ärzte arbeiten müssen, auch wenn sie nicht bezahlt werden.

Gleichzeitig besteht ein ungehemmtes Wachstum der Bürokratie durch 240 Krankenkassen, die nicht mal vom Rechnungshof kontrolliert werden.

Andere Länder haben eine Sozialversicherung und eine parlamentarische Kontrolle.

Ärzte aller anderen Länder haben eine gewerkschaftsähnliche Vertretung gegenüber der staatlichen Sozialversicherung.

Nur in Deutschland werden Ärzte von den Krankenkassen und der staatsabhängigen Kassenärztlichen Vereinigung erpresst, damit sie unbezahlte Arbeit leisten.

Wir fordern deshalb das Prinzip der Kostenerstattung wie in Frankreich und anderen Industriestaaten.

Wir erwarten von der Politik, dass dieses Vorgehen nicht kriminalisiert , sondern durch entsprechendes Einwirken auf die Krankenkassen(zeitnahe Erstattung der Rechnungen) unterstützt wird.

Ihre Hausärzte kämpfen auch in Ihrem Interesse um den Erhalt Ihrer hausärztlichen Versorgung

Wir bitten um Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung!

Ihr Praxistaem

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