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Leserbrief zum Editorial Deutsches Ärzteblatt Heft 21

MEDI BBGuter Journalismus zeichnet sich durch eine wertfreie Übermittlung von Informationen aus, der geschätzte Leser bildet sich aus diesen Informationen seine Meinung. Geben Journalisten ihre Meinung zum Besten muss der Beitrag mit „Kommentar“ über- und mit dem Namen unterschrieben werden.

Das letzte Deutsche Ärzteblatt ist leider in zahlreichen Artikeln und insbesondere zum Hausarztvertrag in BW eine Mischung von Informationen und Wertungen. Hier wird vor dem Hausarztvertrag als Einstieg in den Ausstieg aus dem KV-System gewarnt, dort die zunehmende Zahl von Ärzten beklagt, die die KVen und Kammern sofort abschaffen möchten. Das Ärzteblatt verkommt zu einem ideologischen Kampfblatt zur Erhaltung des verkrusteten deutschen Gesundheitssystems. Die Herausgeber und Autoren sind unfähig zu erkennen, dass das Ärztevolk endliche seine Ketten sprengen will – oder sie wollen es z.B. aus Angst vor dem eigenen Arbeitsplatzverlust nicht wahrnehmen.

Und so wiederholen sie gebetsmühlenartig die Mär von der drohenden Schwächung der Ärzteschaft nach dem Zerfall des KV-Systems. Bekanntlich streben MEDI und andere freie Ärzteorganisationen eine Direktabrechnung mit dem Patienten auf Basis der GOÄ an, und diese wird nun weder von den Kassen noch den Ärzten im Alleingang beschlossen. Die 73er Verträge sind aus unserer Sicht nur eine Übergangsperiode auf dem Weg zur GOÄ-Direktabrechnung. Dieser Sachverhalt wird aber von den Autoren tunlichst verschwiegen, er könnte ja bei manchem Kollegen einen AHA-Effekt auslösen und ihn in Arme der Anhänger der Direktabrechnung treiben!

Allein die Tatsache, dass ich Ihr KV-Kampfblatt nicht einfach abbestellen kann zeigt wie reformbedürftig die Deutsche Gesundheitslandschaft ist.

Dr.Heiner Loos
2. Juni 2008


Ärzte sind mit ihrer Geduld am Ende

Herr Trinogga
Pressesprecher der AOK Brandenburg                                                                                                          Potsdam,den 28.03.2008

nachrichtlich:Herr Zilvar, Geschäftsbereichsleiter AOK Vorstand Brandenburg

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Trinogga,

da Sie meiner Einladung in meine Praxis unentschuldigterweise nicht nachgekommen sind, gehe ich den Weg über die Öffentlichkeit.

Sicherlich werden Sie mitbekommen haben, dass die Ärzte in diesem Land außerordentlich frustriert sind . Deshalb auch unsere Proteste gegen die finanzielle Aushungerung der niedergelassenen Ärzte.

Als Vorstandsmitglied von MEDI Brandenburg und Mitglied der Freien Ärzteschaft habe ich diese Protestwoche intensiv dazu genutzt, die unhaltbaren Zustände öffentlich zu machen (2 Radio- interviews, 3 Zeitungsartikel).

Wenn Ihre Krankenkasse, die AOK (ich spreche bewußt von Krankenkasse und nicht Gesundheitskasse, denn die brauchen wir nicht), nicht einmal 10 % des Gesamthaushaltes für die ambulante medizinische Betreuung ihrer Patienten ausgibt (im Bundesdurchschnitt sind es wenigstens noch 15 %), dann ist das ein Skandal. Ich empfinde es als eine Unverschämtheit und Verleumdung im Artikel in der MAZ vom 10.01.08  mir zu raten, meine betrieblichen Ablaüfe von einem Fachmann durchchecken zu lassen. Mein Gewinn vor Steuern, Altersvorsorge, Krankenversicherung, Zinsen für Praxiskredite beträgt ca. 60.000 Euro, bei einem Praxisumsatz von ca 155.000 Euro. Da haushalte ich also äußerst sparsam, wenn man bedenkt, ich bezahle damit 2 Arzthelferinnen in Teilzeitbeschäftigung, sämtliche andere Praxiskosten (Miete, Laborkosten, Versicherungen, Tilgung des Praxiskredites, Reinigung der  Praxis, Betriebskosten). Sie hätten sich von der Größe meiner Praxis überzeugen können (77 Quadratmeter), weniger geht wirklich nicht.

Es bleiben mir netto von den 60.000 Euro nicht mal 18.000 Euro im Jahr. Das sind ca. 1.400 Euro im Monat für eine 50-Stundenwoche und mehr. Das bei einer über 10-jährigen Ausbildung und im 18. Jahr der Niederlassung. Das ist eine Schande. Es steht mir die Zornesröte im Gesicht.

Wenn Sie meinen, die Ausstiegsgedanken der Hausärze in Bayern wären ein typisch westdeutsches Problem, haben Sie sich aber gewaltig geirrt. Für wen halten Sie uns eigentlich?

Ihre Haltung drückt eine Nichtachtung unserer verantwortungsvollen Tätigkeit aus, die es kaum zu überbieten gibt. Der Arztberuf ist in Deutschland zum Albtraum geworden. 16.000 Kollegen haben deshalb Deutschland schon den Rücken gekehrt. Sie sind mit dafür verantwortlich, dass das ambulante Gesundheitswesen durch freie niedergelassene Ärzte zerstört wird .Ich bin einfach nicht mehr bereit, dieses marode System immer wieder mit privaten Schulden am Leben zu erhalten.

Wir Ärzte brauchen Ihre Kasse nicht, aber Sie und die Patienten  brauchen uns Ärzte, und dafür haben Sie zu sorgen.

Ich erwarte Ihre öffentliche Stellungnahme und Entschuldigung!

Mit freundlichen Grüßen!

Dr. med Martina Herrmann
Vorstandsmitglied  MEDI Brandenburg


MEDI BBDanke liebe KV für die tolle MEDI-Werbung in der aktuellen KV-intern

MEDI-Deutschland, MEDI-Brandenburg und der Hausarztvertrag in BW ziehen sich wie ein roter Faden durch das Brandenburger KV-Blatt.

Das Pfeifen im immer dunkler werdenden KV-Wald wird immer lauter. Allein das Pfeifen will aber die Angst nicht so recht vertreiben und da wird dann schon einmal unseriös mit Häme, Desinformation und unverkennbarem Neid nachgetreten. Den Herren Baumgärtner und Weigeldt werden KV-Stallgeruch und „klangvolle“ KV-Karrieren vorgeworfen.

Klangvoll waren die KV-Leistungen des Kollegen Baumgärtner durchaus, hat er doch als KV-Chef mit rund 5 Cent den bislang höchsten in der Bundesrepublik geltenden Punktwert ausgehandelt. Das sollen die Herren Helming und Noack erst einmal nachmachen, dann wären wir in Brandenburg schon ein ganzes Stück weiter! Und im Gegensatz zu den aktuellen KV- und KBV-Verantwortlichen haben die Herren Baumgärtner und Weigeldt dann erkannt, dass unter einer staatlich kontrollierten und bevormundeten Körperschaft eben nicht mehr drin ist, sie haben die Konsequenz gezogen und Lernfähigkeit bewiesen!

Und der Erfolg gibt ihnen Recht! Fünfzig bis sechzig Euro für den eingeschriebenen Patient, egal ob er kommt oder nicht und dann Zuschläge ab der zweiten Konsultation bis zu Gesamtpauschale von möglichen 88 Euro, keine Regresse – was will der Hausarzt mehr? Und der Vertrag läuft nur weiter, wenn auch für den Facharztsektor in den kommenden Wochen ein ähnlicher Abschluss zustande kommt. Unterstellte Feindschaften sind daher ein Märchen aus dem dunklen Wald!

Der medienwirksame Abschluss am 8. Mai 2008 ist reiner Zufall, da dieser Tag in den alten Bundesländern nie richtig und schon gar nicht unter diesem Namen gefeiert wurde.

Ein Befreiungsschlag auf dem Weg zur Direktabrechnung auf Basis der GOÄ war der Abschluss dennoch!


Kommentar zur Vertreterversammlung der KVBB vom 19.9.2008 (Dr. Loos)

Die Katze ist aus dem Sack, die Ärzte sind von der Politik, den Krankenkassen und der KBV erneut auf die Nudel geschoben worden. Der Euro-EBM mit einer kalkulierbaren Honorarsumme erweist sich als Makulatur. Der erste Verdacht beschlich mich, als man über die bundesweiten Zuschläge und eine Obergrenze verhandelte. Bei einem Euro-EBM mit fallzahlgesteuerten Regelleistungsvolumina sollte doch nach meinem Verständnis am Quartalsende den Kassen eine Rechnung mit den angefallenen Kosten geschrieben werden. Wer nur ein wenig von der Abrechnungssystematik versteht weiß, um  diese Obergrenze einzuhalten muss also außer der Fallzahl eine weitere Begrenzung eingebaut werden.

Die VV brachten es an den Tag – auch der Fallwert innerhalb des RLV soll in Brandenburg begrenzt werden. Unglücklich dargestellt oder Testballon? Diese Systematik kennen wir in Brandenburg zur genüge, bislang hieß es PZGV, nun heißt es –Fachgruppen-Fallwert (FG-FW). Was darüber hinaus (innerhalb des RLV!) abgerechnet wird soll mit einem floatenden Punktwert aus dem übrig geblieben Geld vergütet werden.

Vergleicht man diese in Brandenburg angestrebte Systematik mit den Bundesweiten Regelungen, veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt Heft 38 und dem Vortrag von KBV-Chef Köhler ( www.kbv.de ) sucht man dort vergebens nach einer Fallwertbegrenzung innerhalb des RLV, hier soll das über das RLV hinausgehende Volumen floatend vergütet werden. Offensichtlich will die KVBB die alte Honorarsystematik quasi über die Hintertür fortführen. Ihr sei hier schon die Ausschöpfung aller juristischen Mittel dagegen angekündigt!

Egal welche Systematik,  erst nach Abrechnung aller Ärzte steht der floatende Punktwert fest und ich werde auch künftig nicht am 30.Januar 2009 meiner Statistik auf den Cent  entnehmen können, was ich verdient habe. Der gesetzliche Auftrag wurde damit eindeutig verfehlt.

Ebenso schlimm ist der Umstand, dass die KVBB und auch die KBV so massive Honorarverschiebungen erwarteten, dass trotz eines deutlichen Honorarzuwachses insgesamt es für manche Arztgruppen und Ärzte tatsächlich 2009 weniger Honorar als 2008 geben könnte. Wenn dem tatsächlich so ist zeigt dies doch dann nur die extreme Ungerechtigkeit und Leistungsfeindlichkeit der alten Systematik.

Für Brandenburg kann man da nur sagen, uns wird hier alter Wein in neuen Schläuchen präsentiert, das Ziel wurde deutlich verfehlt. Mal sehen ob das KV-System den erneuten Betrug am Arzt bis zum Ende des nächsten Jahres überlebt.

Nicht weniger interessant ist die beschlossene Qualitätsprüfungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschuss, nachzulesen auf der entsprechenden Website ( http://www.g-ba.de/downloads/62-492-16/RL_Qualitaetspruefung_2006-04-18.pdf ). Jeder Kollege sollte den Inhalt und seine Rechte kennen, sonst ist schnell mal ein Teil des Honorars weg.

Auch hier werden durch unsere angebliche Interessenvertretung im Verbund mit den Kassen die Daumenschrauben heftig angezogen – freier Arztberuf ade!

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